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Steuern sind notwendig, um wesentliche Dienstleistungen zu finanzieren. Dies ist für Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika (Länder des Südens) aus mehreren Gründen besonders wichtig. Erstens sind die Steuerbehörden in den südlichen Ländern bereits aus vielen Gründen unterfinanziert, einer davon ist die Staatsverschuldung (siehe FreshUp-Leitfaden zur Verschuldung). Dies führt zu einem Teufelskreis, bei dem die Steuerbehörden mit weniger Einnahmen Mühe haben, ihre Steuererhebungskapazität zu verbessern.

Ein Kernthema, das sich durch alle Bereiche zieht, ist der Zusammenhang zwischen Steuergerechtigkeit und Entwicklung. In den 2000er Jahren begann ‚Christian Aid‘, Steuern mit globaler Ungleichheit und Entwicklungsfragen in Verbindung zu bringen, indem es die Tatsache publik machte, dass Entwicklungsländer durch die Steuervermeidungspraktiken großer Unternehmen mehr Geld verlieren, als sie durch offizielle Hilfe erhalten. Mehr noch, werden globale Steuervorschriften, welche die Steuerhinterziehung erleichtern, von Unternehmen und wohlhabenden Einzelpersonen ausgenutzt, um den Ländern absichtlich die Ressourcen vorzuenthalten, die sie benötigen, um die Bedürfnisse ihres Landes befriedigen und ihre Menschenrechtsverpflichtungen erfüllen zu können. Befürworter der Steuergerechtigkeit fassen Steuermissbrauch oder -vernachlässigung als ernstes Problem betreffend die Menschenrechte auf, weil es für eine Regierung ohne Steuereinnahmen viel schwieriger ist, ihren Verpflichtungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Sicherheit, Klimawandel und anderen nachzukommen.

Darüber hinaus hat eine unzureichende Besteuerung von Unternehmen und wohlhabenden Einzelpersonen Auswirkungen auf die Belastung durch die Gewährleistung ausreichender Steuereinnahmen im Inland, denn wenn Regierungen nicht über ausreichende Steuereinnahmen aus einer Vielzahl von Quellen verfügen, um die Bedürfnisse des Landes zu decken, werden sie dazu ermutigt, die Steuerlast auf die Bürgerinnen und Bürger abzuwälzen. 

Wenn Regierungen die öffentlichen Ausgaben kürzen oder die Steuern erhöhen, um die Einnahmelücke zu schließen, werden bestimmte soziale Gruppen unverhältnismäßig stark belastet.  In Ermangelung von Unternehmenssteuern geschieht dies unter anderem durch die Erhöhung indirekter Steuern wie der Mehrwertsteuer. Davon sind Frauen und Mädchen unverhältnismäßig stark betroffen, da sie den größten Teil ihres Einkommens für Haushaltsgüter ausgeben. Darüber hinaus führen pauschale persönliche Steuern eher zu einer höheren Steuerlast für Menschen mit geringem Einkommen. In vielen Ländern sind dies unverhältnismäßig viele Frauen. 

Hinzu kommt, dass nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mehr als 76,2 % der gesamten unbezahlten Betreuungsarbeit von Frauen geleistet wird. Wenn also Regierungen durch Sparmaßnahmen öffentliche Dienstleistungen kürzen, um die Einnahmen zu erhöhen, fungieren Frauen als “Schockabsorber”, indem sie die Betreuungs- und Erziehungsarbeit übernehmen, die unabhängig von der öffentlichen Unterstützung geleistet werden muss.

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